20.09.2004, Frankfurter Neue Presse
Mit Ideen und "Courage" zum Erfolg

Eigentlich mache ich keine "Mode", sagt Bettina Würtenberger. Sagt das ganz lässig, ganz beiläufig, als sei’s eine Selbstverständlichkeit. Was aber macht jemand, der angeblich keine Mode macht, im Frankfurter Modekreis? Dem gehört die 38-Jährige nämlich seit zwei Jahren an. "Ich mache Kleidung", sagt sehr selbstbewusst die Frau mit dem frechen Kurzhaarschopf. "Und die ist schlicht und zeitlos. Schließlich soll sie tragbar und Bestandteil des Alltags sein."

Hört sich soweit ganz praktisch an, wenn vielleicht auch eine Spur blutarm. Man muss mitunter zwei Mal hinschauen, aber spätestens dann entdeckt man sie, die raffinierten Details und hinreißenden Hingucker an den Modellen von Bettina Würtenberger. Sie ist eine Künstlerin des Understatements, dabei ganz gewiss eine Vollblut-Modemacherin. Eine, die ihr Handwerk beherrscht und die den Zeitgeschmack in tragbare Entwürfe umsetzt, ohne jedem Trend hinterher zu laufen. Das Ergebnis ist oft höchst verblüffend.

Darauf muss man erst einmal kommen: Einen Pullover zu entwerfen, der praktisch nur aus Ärmeln besteht, der trotzdem tragbar ist, kein öffentliches Ärgernis erregt und sogar wärmt, wie die Designerin beteuert. Die Ärmel sind nämlich so geartet, dass sie einerseits das Durchstecken der Hände ermöglichen, andererseits komplett um den Körper geschlungen werden. Angezogener sieht es aus mit T-Shirt oder Bluse drunter, ohne dieses Darunter ist es ein effektvoller Partydress. "Courage" heißt das Label von Bettina Würtenberger, die man getrost den jungen Wilden im Frankfurter Modekreis zurechnen darf.

"Es wird sehr bunt", sagt sie über ihre neue Herbst-/Winter-Kollektion 2004/2005. Was sie auf der Trendshow am 23. September zeigen wird, ist ihr nicht zu entlocken. Das Geheimnis soll erst auf dem Laufsteg gelüftet werden.

Bettina Würtenberger ist eine grundsolide ausgebildete Damenschneiderin. Das eigene Atelier führt sie seit 1999 im "Handwerkshaus" in Ober-Ramstein, in dem etliche andere Modeschaffende ansässig sind und das, gleichsam als Schmelztiegel neuer Ideen, auch auf Bettina Würtenberger Einfluss hat. Das schlägt sich in ihren Entwürfen nieder, aber auch in den Orten ihrer Präsentation. Sie hat Modenschauen im Gewächshaus und in der Kfz-Werkstatt, im Eisenbahnwaggon und in der Schreinerei gemacht.

Einer wichtiger Unterschied zwischen der "Courage"-Kollektion und Haute Couture sei neben der Alltagstauglichkeit ihrer Röcke und Hosen, Pullis und Jacken auch die "Basis nahe" Präsentation. So ist Bettina Würtenberger seit einigen Jahren regelmäßig mit Kleidung und Schmuck nach eigenen Entwürfen auf Kunsthandwerkermärkten vertreten, beim Frankfurter Museumsuferfest etwa und beim Altstadtfest Darmstadt. Längst ist die "Courage"-ierte mit ihren Arbeiten über die Grenzen der Region bekannt. Seit vergangenem Jahr wird sie zum "art forum" nach Bochum gebeten und auch zur Stuttgarter Ausstellung "Blickfang". Die "Courage"-Kollektion wird in ausgesuchten Boutiquen angeboten. Außerdem macht Bettina Würtenberger Einzelanfertigungen, exklusive Maßarbeit nach individuellen Entwürfen, sämtlich Unikate für die jeweilige Auftraggeberin. (enz)


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